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Prägende Vorerkundung in Gambia

Weil man gemeinsam mehr erreichen kann – unter diesem Leitspruch stand meine Reise nach Gambia im Mai. Ich arbeite ehrenamtlich für die NGO „Technik ohne Grenzen“, ein Verein, der sich die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern durch technische Lösungen zum Ziel gesetzt hat. Weltweit setzen wir Projekte in den Bereichen Wasser, Energie, Müllmanagement und technische Bildung um. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee der Zusammenarbeit zwischen Technik ohne Grenzen, Socialis for The Gambia und dem Rotary Club Amberg, um gemeinsam die Lebenssituation der Menschen in The Gambia zu verbessern.

Zwei Wochen war ich in Gambia, vom 18. Mai bis zum 02. Juni. Begleitet wurde ich dabei von Verena aus Rottenburg und Nash aus Kumasi, Ghana, die mit ihrem technischen Fachwissen das meine ergänzten. Diese Zeit verbrachten wir zur Hälfte in Sintet und zur Hälfte in Brufut, um die Schule und die Skill Centers mit Hinblick auf Wasser- und Energieversorgung, sanitäre Anlagen und Umgang mit Müll zu besichtigen. 

Während der ersten Woche in Sintet stellte sich sehr schnell heraus, dass die Wasserversorgung an dem Skill Center, aber auch im gesamten Ort, als großes Problem gesehen wird. Bei unserem Aufenthalt untersuchten und kategorisierten wir die verschiedenen Wasserquellen des Ortsteiles Fulakunda und ließen Wasserproben der verschiedenen Bohrlöcher im Wasserlabor analysieren. Wir besuchten in Sintet auch die Schule, das Krankenhaus und den Kindergarten, die Frauen des Dorfes zeigten uns ihren Gemeinschaftsgarten. 

Am Skill Center in Sintet wurden wir von Lehrern und Schülern willkommen geheißen. Wir waren an mehreren Tagen dort und besprachen mit dem Landwirtschaftslehrer Lamin S. Jammeh und dem Koordinator Samba Sowe die Bewässerungssituation der Felder der Landwirtschaftsschule sowie den Bedarf an besseren sanitären Anlagen. Zum Thema nachhaltige Toilettensysteme hielten wir auch einen Vortrag vor der Landwirtschaftsklasse. Die dort vorhandenen Toiletten sind in schlechtem Zustand. Bezüglich der Bewässerung der Felder ist das neue, tiefere Bohrloch aktiv und ermöglicht so ein Bewirtschaften der Felder durch die Landwirtschaftsklasse. Allerdings ist das Bewässerungssystem noch nicht ausreichend, um eine Bewässerung der gesamten vorhandenen Anbaufläche zu ermöglichen.  Es hat mich begeistert zu sehen mit welchem Interesse und Engagement die Lehrer dort trotz dieser Schwierigkeiten ihrer Arbeit nachgingen.

Die zweite Woche in Brufut war anders. Brufut ist wesentlich städtischer und touristisch geprägter. Wir besuchten dort die Schule und das Skill Center. Bei unserem Besuch an der Schule gaben wir, wie zuvor auch an der Schule in Sintet, Unterrichtslektionen zum Thema Wasserkreislauf. In einer Art Rollenspiel nahm jedes Kind seinen Platz ein, entweder als Berg oder Wald oder See oder Brunnen oder als eins von vielen kleinen Wasserteilchen. Sowohl wir als auch Kinder und Lehrer hatten sehr viel Spaß dabei. Die Schule und das Skill Center besaßen eine sehr freundliche Atmosphäre sowohl uns als ihren Gästen gegenüber als auch zwischen Lehrern und Schülern. 

Auch in Brufut sahen wir noch mehr und lernten das Leben der Gambianer besser kennen. Wir besuchten das Krankenhaus in Brufut, das einen Notstand an Medikamenten und Materialien hat und zudem die Problematik, dass kein ausreichendes System für die Entsorgung des teils infektiösem Krankenhausmülls vorhanden ist. Diesem Problem weiter folgend besichtigten wir die größte Müllhalde des Landes in Bakothe, wo wir schwelende Berge brennenden Mülls und Vögel bei der Futtersuche zu sehen bekamen. Es waren Eindrücke, die für mich als Deutsche ungewohnt und teils schwer einzuordnen waren. 

Nach diesen zwei Wochen in dem vielfältigen westafrikanischen Staat bin ich mit so vielen gegensätzlichen Eindrücken nach Deutschland zurückgekehrt, wie ich davor noch nie in einer so kurzen Zeit gesammelt hatte. Selten habe ich von einer Reise mehr mitgenommen an Weltverständnis und habe so tiefe Einblicke in eine andere Art zu leben bekommen. Es war ein abwechslungsreicher und inspirierender Aufenthalt dort, der die Zusammenarbeit von Socialis of The Gambia, Rotary und Technik ohne Grenzen in eine sinnbringende Richtung lenken wird.

Adehlheid Gonschorek

 

Interhouse Competition – das sportliche Highlight des Schuljahres, nicht nur für die Schüler.

Per Zufallsprinzip wurden alle 618 Schüler und Schülerinnen von der Nursery 1 bis zur 6. Klasse, Lehrer, Wächter und Praktikanten, sogar die Auszubildenden des Skill Centers in Brufut den 4 Häusern (Kundas) rot, gelb, grün und blau zugeteilt. Eine wirklich nette Idee, um Klassenstrukturen einmal aufzubrechen und alle, die der Schulfamilie angehören, für ein gemeinsames Event zu motivieren. Und motiviert waren alle! So gab es in der Sportwoche kein anderes Thema mehr als „In welchem Haus bist du?“, „Blau gewinnt!“, sowie unzählige Diskussionen unter den Lehrern mit absurden Argumentationen für den Sieg des jeweiligen Hauses: „Grün! Schau dich doch mal in der Natur um. Alles grün!“

Nach 3 harten Trainingstagen und aufwendiger Verwandlung des Sandplatzes in ein echtes Sportstadion, war es am 22.03. so weit: 11. Interhouse Competition. Wir kennen ja die Stärke afrikanischer Läufer von großen Wettkämpfen aus dem Fernsehen – hier konnten wir auch sehen, wo die Basis dafür gelegt wird. Mit unglaublichem Ehrgeiz und Ausdauer sprinteten die Kinder für ihr Team barfuß im Sand von gambianisch geschätzten 80 m (Nursery) bis 800 m. Aufgelockert wurde der Wettkampf durch Disziplinen wie den Dreibeinlauf, bei dem jeweils 2 Kinder gemeinsam mit zusammengebundenem Innenbein liefen, beziehungsweise hopsten, Eierlauf (hier mit Limetten), Bälle aufsammeln, Wasserflaschen auffüllen, Reise nach Jerusalem. Überraschenderweise schaffte es beim Wassereimer auf dem Kopf tragen keines der älteren Mädchen ins Ziel, obwohl man das hier ja wirklich täglich auf den Straßen bei den Frauen bewundern kann.

Bis zur Mittagspause war es ein intensives Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem grünen und dem blauen Haus. Da nun alle länger auf das leckere Essen der Schulköchinnen warten mussten, entwickelte sich spontan eine fröhliche und ausgelassene Tanzparty der Kinder. Gestärkt ging es an die Staffeln. Doch plötzlich strauchelten die Kinder des blauen Teams, verloren den Staffelstab, grün wurde langsamer und so überrannte das rote Haus die beiden Kundas im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Abschluss standen noch 2 Highlights für die Zuschauer auf dem Programm: „Wrestling“ und „Teachers Race“. Alle flippten beim Wrestling, bei uns vergleichbar mit Ringen, völlig aus, als einer der wenigen pummeligen Schüler mehr als überraschend zu Boden geworfen wurde. Die beiden Lehrerrennen, bei denen wir Praktikantinnen alle mit Spaß (und Erfolg) mitrannten, bildeten den Abschluss eines sehr intensiven, emotionalen und unvergesslichen Sporttages.

Lisa
(Praktikantin in Gambia)

Eindrücke unserer Gambiareise im März 2018

Nachdem ich immer wieder mit leuchtenden Augen von der Gruppenreise Ostern 2017 erzählt habe, waren mein Mann Karsten Schulz und Marcus Zamecnik neugierig und wollten die Einrichtungen von Socialis for The Gambia selber vor Ort erkunden.

Gerne möchten wir mit unserem Bericht auch Sie infizieren und haben deshalb unsere ganz persönlichen Eindrücke und Erlebnisse zusammengefasst.

Direkt am Montag Morgen haben wir uns zu Fuß, mit einem Karton Federballspiele für die Kinder, auf den Weg gemacht zu unserer Schule Sannehmentereng und wurden herzlich von Mr. Jatta, dem Headmaster der Schule, begrüßt. Wir haben den neu angelegten Schulgarten bewundert, siehe hierzu auch den aktuellen Praktikantinnenbericht von Sarah und Nyara. Im Kreativhaus hat Waltraud Haid einen Tisch für eine erste Wundversorgung aufgebaut.

Dienstag haben wir unser Skill Center besucht und ich kann berichten, dass es hier jetzt ganz anders aussieht als im letzten Jahr. Die Friseurinnen haben nun einen Zugang zur Straße und auch die Schneiderinnen werden ihren Verkaufsraum fertig stellen, eine Umkleidekabine ist in Vorbereitung und ein Verkaufstresen steht auch schon bereit.

Die dringend benötigte Solaranlage wird im April eingebaut.

Wir haben uns sehr über die Einladung unseres Lehrers Ebriama Jallow zu sich nach Hause gefreut. Wir durften alles anschauen und seine Lebenssituation live miterleben. Zwei kleine Zimmer für 5 Personen, gekocht wird draußen. Trotz der wenigen Mittel plant er sein Leben indem er u. a. für ein eigenes Grundstück zahlt. Er kann stolz auf sich und seine Familie sein.

Hatab Beyai, unser Manager vor Ort und Waltraud Hain nehmen uns Mittwoch mit nach Sintet zu unserer Landwirtschaftsschule. Die Autofahrt ist für die beiden Neulinge schon spannend, am Straßenrand wird verkauft, gegrillt, es fahren Esel- und Pferdekarren, oft sehen wir sehr alte LKW‘s die liegen geblieben sind, Autoreifen werden einfach neben der Straße verbrannt.

Seit der Rundreise Ostern 2017 musste ich oft an unseren Besuch im Dorf Bintang denken. Auf dem Rückweg hat Hatab Beyai auf meinen Wunsch dort angehalten und mir persönlich damit eine große Freude bereitet.

Donnerstag haben wir uns dann wieder auf den Weg zur Schule gemacht, um das 11. Interhouse Competition Sportfest mitzuerleben. Die Kinder inklusive der Lehrlinge vom Skill Center waren in vier Gruppen (blau, rot, grün, gelb) aufgeteilt. Für Eierlaufen, Sackrennen, Staffellauf, Wasser tragen, Bälle aufsammeln und diverse kurze sowie lange Strecken gab es jeweils nach Einlauf Punkte, die an einer Tafel dokumentiert wurden.

Samstag Morgen sind wir dann mit dem Headmaster Mr. Jatta, Waltraud Haid, den Praktikantinnen Sarah und Nyara, der Studentin Theresia, der Lehrerin Lisa, sowie Köchinnen und Lehrern und natürlich 20 Kindern zum Independence Day der West Coast zum Nursery-Treffen gefahren. Auf dem Dach des Busses waren Brennholz, Kochtöpfe, Stühle usw. verstaut. 132 Schulen waren vor Ort und haben sich dort unter Begleitung eines Blasorchesters präsentiert. Dieses Fest mussten wir dann leider eher verlassen, da wir heute Abend wieder heim fliegen.

Meine persönliche Bitte, schauen Sie immer wieder mal im Internet auf die Wunschliste des Vereins, mit jeder noch so kleinen Spende unterstützen Sie das Bildungsniveau der neuen Generation und tragen somit zur Verbesserung der Lebensqualität und Selbstständigkeit der Menschen in Gambia bei.

In diesem Sinne, herzliche Grüße aus Dortmund, Ihre Heike Hagemann

Praktikumsbericht Sarah und Nyara

Da der Schulgarten in letzter Zeit wenig genutzt wurde und eher verwildert war, machten Mr. Jatta und wir uns zur Aufgabe mit der Hilfe der Schüler und einiger Lehrer diesen wieder neu anzulegen und zu bepflanzen. Nun wachsen wieder Tomaten, Salat, Zwiebeln und andere Gemüsesorten im Schulgarten und warten darauf geerntet zu werden.

Am Freitag den 2. März haben uns überraschend deutsche Ärzte in der Schule besucht. Sie kamen, um Kinder mit Wunden, Augen- sowie Haut- und anderen Problemen zu helfen. Als Unterstützung für die Mediziner sind wir von Klasse zu Klasse gegangen und haben Kinder mit jeglichen Verletzungen eingesammelt. Das meist gesehene Anliegen der Kinder waren Wunden, gefolgt von Augen- und Sehbeschwerden, Magenbeschwerden sowie einer Blasenentzündung. Die Ärztin und die beiden Medizinstudenten nahmen sich für jedes dieser Kinder einzeln Zeit. Da wir bis dato nichts von einem Arztbesuch aus Deutschland wussten, waren wir sehr positiv überrascht und fanden es sehr interessant und teilweise auch hilfreich, den Ärzten zuzuschauen.

In der Zwischenzeit sind nun auch Lisa und Theresa in Gambia angekommen, sodass wir nun einige Zeit zu fünft sind.

Am 12.03. war in Gambia ein besonderer Tag, an dem wir in der Schule teilnehmen durften: der Commonwealth Day. Da er im alten Regime viele Jahre nicht gefeiert wurde, wurden viele Vorbereitungen getroffen und alle freuten sich auf den besonderen Tag. Die einzelnen Klassen bereiteten alle einen Vortrag über verschiedene Länder (Nursery-Klassen) oder die verschiedenen Stämme Gambias (Klasse 1-6) vor. Am Montag durften sie ihre Vorträge dann präsentieren. Die Kinder tanzten, sangen und spielten kleine Sketche. Im Anschluss wurde gemeinsam gegessen und getanzt. Insgesamt war es ein schöner und erlebnisreicher Tag mit vielen Eindrücken und Spaß!

Sarah und Nyara

Mensch, bist du gewachsen!

Das ist mir bei meinem Besuch in Gambia nicht nur beim Anblick einiger Schüler durch den Kopf gegangen, sondern auch als ich das Skill Center in Sintet betreten habe. Seit meinem letzten Besuch im Jahr 2014 hat sich dort erstaunliches getan. Neben dem Gebäude der Schneiderei steht nun ein neuer Gebäudekomplex der Gärtnerei. Und die landwirtschaftliche Schule ist auf dem Grundstück nicht zu übersehen. In den zahlreichen Beeten wachsen unter anderem bereits Knoblauch, Kartoffeln und Tomaten. Allein der Wassermangel in Sintet schmälert die vielversprechende Tomatenernte. Hoffnungsvoll wird daher auf eine tiefere Bohrung des Brunnens gewartet, um den Tomaten und den übrigen Beeten wieder genug Wasser zukommen zu lassen.

Und auch an der Schule in Brufut verspricht der neu angelegte Schulgarten eine reiche Ernte an Zwiebeln, Salat, Aubergine und weiterem Gemüse, welches für die Schulspeisung eingesetzt werden kann. Die Schüler und Schülerinnen helfen dabei unermüdlich beim Bewässern und erlernen so ganz nebenbei landwirtschaftliche Fähigkeiten.

Letztendlich überraschte mich schließlich auch das Skill Center in Brufut mit einem neuen ‚Look‘. Durch das Öffnen der Mauern wurde ein Zugang zum neu eingerichteten Frisör-Salon ermöglicht. Dieser wird eigenständig von jungen Frauen betrieben, die ihre Ausbildung im Skill Center erfolgreich abgeschlossen haben. Und auch für die ausgelernten Auszubildenden der Schneiderei ist eine solche Hilfe für den Start in das selbstständige Berufsleben geplant, in Form des Schneiderei Shops am Skill Center.

Die Projekte in Gambia (und natürlich auch die Schüler) wachsen also unermüdlich weiter, und daher freue ich mich schon auf meinen nächsten Besuch vor Ort.

Verena
(ehemalige Praktikantin)

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